Zweiundzwanzigstes Kapitel und Liebesschlösser

Hey zusammen, für mich gehts heute nach Amsterdam! Das Wetter soll gut werden, ich weiß, wo ich forever21 finden kann und wir machen eine Grachtentour, es kann also nur toll werden. Wenn ich hinterher komme, gibt es dazu bestimmt auch  noch mal einen Beitrag in der Reisen-Kategorie, schauen wir mal. Das 22. Kapitel ist eins von denen, die ich persönlich ziemlich cool werde, so mit überraschender Wendung und einer guten Portion June stellt sich doof an. Hier könnt ihr das ganze Kapitel jetzt schon lesen, ich poste alles lieber jetzt schon, bevor ich nachher kein WLAN mehr auftreiben kann. Auf dem Beitragsbild seht ihr jede Menge Schlösser, die bei den Landungsbrücken rumhängen. Kitschig, aber irgendwie ja auch süß. Macht’s gut 🙂

  22. Kapitel

Romeo must die – Gabrielle Aplin

Um halb sieben am nächsten Morgen tat mein Wecker dann zuverlässig seinen Job und riss mich aus dem Schlaf. Das erste, was ich diesmal spürte, waren meine Beine. Sie schienen mittlerweile nicht mehr aus Wackelpudding zu bestehen, sondern aus altem, bröckeligen Beton. Im rechten zuckte sogar ein Muskel. Ich stöhnte und schlug mir gegen die Stirn, meine eigene Doofheit verfluchend.

„Guten Morgen, June, bist du wach?“, rief meine Mutter durch die Tür und kam im nächsten Moment in mein Zimmer.

„Jaa, bin ich“, grummelte ich und hätte am liebsten Willy nach ihr geworfen.

„Was machst du überhaupt hier?“ Sonst kam sie doch auch nie in mein Zimmer, um mich zu wecken.

„Ich brauche heute die Spiegelreflex. Papa und ich besuchen eine Bonsai-Ausstellung und eine Kollegin hat nach Fotos verlangt.“

„Liegt irgendwo beim Sitzsack“, entgegnete ich schnell, bevor sie mir noch mehr über jahrhundertealte Bäumchen erzählte.

Immerhin schien sie schon geduscht zu haben, sie stand nämlich nur mit einem Handtuch bekleidet und einem weiteren als Turban auf dem Kopf vor meinem Bett. Es schien ihr nichts auszumachen, dass sie dabei das Parkett volltropfte.

„Dein Vater schläft noch“, meinte sie ohne erkennbaren Zusammenhang, aber das war alles, was ich wissen wollte.

Ächzend und alles andere als elegant stand ich auf und huschte ins Bad, bevor Papa es besetzen konnte. Bei uns galt leider seit jeher die Regel Wer im Bad ist, ist drin und der Rest hat das Nachsehen. Deshalb hatte ich irgendwann meine Schminkutensilien, Haarspray und eine Bürste in meinem Zimmer deponiert. Ich hatte sogar mal mit dem Gedanken gespielt, eine zweite Zahnbürste in der Küche zu platzieren. Aber meistens kam ich doch irgendwann im Laufe des Morgens ins Badezimmer, deshalb war das mit der Zahnbürste bisher nicht notwendig gewesen.

Ich brachte nicht die nötige Energie auf, um meine Haare zu waschen, deshalb band ich sie nach dem Duschen einfach zu einem hohen Dutt und beließ es dabei. Ehrlich gesagt bewegte sich meine Klamottenwahl für heute auf demselben Niveau. Ein grauer Oversize-Pulli, der fast bis zu meinen Knien ging und eine schlichte schwarze Leggins. Manchmal war ich halt ein kleiner Messie. Ich steuerte dem ein wenig entgegen mit Smokey Eyes in schimmernden Brauntönen. Das zum Thema, ich schminkte mich nie. Aber nachdem mir Samstag der Lidstrich so gut gelungen war, hatte ich Lust, mal was Anderes auszuprobieren als nur Wimperntusche. Dass ich mich sonst mit Schminken zurück hielt, hieß ja nicht, dass ich es nicht konnte.

Eine Stunde, nachdem mein Wecker geklingelt hatte, versuchte ich mich zu erinnern, welche Fächer heute dran waren, während ich gleichzeitig alle möglichen Mappen und Bücher in meine Schultasche warf. Ich wechselte immer zwischen meinem Eastpak und der Tasche ab, je nach Laune.

„June, Olivia ist hier!“, rief mein Vater von unten und ich hielt verdutzt inne.

„Warum das denn?“, hätte ich fast zurückgebrüllt, aber dann besann ich mich eines Besseren und rannte stattdessen mitsamt meiner Tasche nach unten.

„Na du“, begrüßte Olivia mich und piekte allen Ernstes in meinen Dutt, als ich sie umarmte.

„Ich hab gedacht, ich hol dich heute mal ab.“

„Aber du weißt schon, dass ich auch einfach mit dem Bus zu dir hätte fahren können, oder?“ Sie hatte nämlich mit dem Fahrrad den Umweg zu mir auf sich genommen.

„Stimmt, aber ich bin seit sechs wach und mach mich wegen Physik verrückt. Ich hab sogar von Hebeln und schiefen Ebenen und so nem Scheiß geträumt. Also hab ich entschieden, dass wir uns genauso gut gegenseitig wahnsinnig machen können, bevor es ernst wird. Vielleicht ist geteilte Panik halbe Panik.“

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